Wer das AfD-Wahlprogramm schnell einordnen möchte, braucht mehr als einzelne Schlagworte zu Migration oder Steuern. Diese Kurzfassung erklärt die zentralen Positionen des Bundeswahlprogramms 2025 und zeigt, welche Folgen die Vorschläge für Wirtschaft, Sozialstaat, Klima, Europa, Familie und Demokratie hätten.
Die wichtigsten Linien des AfD-Programms auf einen Blick
- Migration: strengere Grenzkontrollen, Zurückweisungen und deutlich mehr Rückführungen.
- Wirtschaft: niedrigere Steuern, weniger Bürokratie und eine stärkere Orientierung an nationalen Interessen.
- Energie und Klima: Ablehnung vieler Klimaschutzmaßnahmen, Abschaffung von CO₂-Abgaben und Rückkehr zu fossilen Energien sowie Kernkraft.
- Europa: weniger Zuständigkeiten für die EU, langfristig ein „Bund europäischer Nationen“ und ein Ausstieg Deutschlands aus dem Euro-System.
- Gesellschaft: traditionelle Familienpolitik, mehr direkte Demokratie und eine stärkere Betonung nationaler Identität.

Welche Fassung ist aktuell maßgeblich
Für eine bundesweite Einordnung ist das AfD-Bundestagswahlprogramm 2025 die wichtigste Grundlage. Landesverbände können für Wahlen eigene Programme beschließen, doch sie ersetzen nicht die bundespolitischen Positionen der Partei.
Das Programm trägt den Titel „Zeit für Deutschland“ und umfasst ein breites politisches Angebot. Trotzdem lassen sich die Leitlinien relativ klar erkennen: nationale Souveränität, restriktive Migrationspolitik, wirtschaftliche Entlastung und ein konservatives Gesellschaftsbild.
Die Bundeszentrale für politische Bildung ordnet die AfD dem rechten bis extrem rechten Spektrum zu und verweist auf rechtspopulistische, rechtsradikale und völkisch-nationalistische Elemente. Für eine faire Zusammenfassung ist es deshalb sinnvoll, zwischen den offiziellen Forderungen der Partei und ihrer politischen Einordnung durch unabhängige Stellen zu unterscheiden.
Migration und innere Sicherheit stehen im Mittelpunkt
Das prägendste Thema des Programms ist die Begrenzung von Asyl und Zuwanderung. Die AfD will das gemeinsame europäische Asylsystem verlassen oder sich davon ausnehmen lassen. Deutschland soll seine Grenzen wieder stärker selbst kontrollieren und illegal einreisende Personen an der Grenze zurückweisen.
Vorgesehen sind außerdem Gewahrsamszentren an den Grenzen, schnellere Verfahren und eine umfassende Rückführungsoffensive. Ausreisepflichtige Personen, ausländische Straftäter und Menschen, deren Schutzgrund nach Auffassung der Partei entfallen ist, sollen konsequenter abgeschoben werden.
Der Begriff „Remigration“ wird im Programm für Rückführungen und eine weitreichende Neuordnung der Zuwanderung verwendet. Gerade hier ist eine genaue Begriffsprüfung wichtig, weil das Wort politisch unterschiedlich gebraucht wird und in Teilen der extremen Rechten eine weitergehende Bedeutung erhalten hat.
Bei der Einbürgerung will die AfD strengere Regeln. Unter anderem sollen der automatische Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Geburt und bestimmte Ansprüche auf Einbürgerung nach längerem Aufenthalt wieder abgeschafft werden.
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Was bedeutet das praktisch
Die Vorschläge würden nicht nur deutsche Gesetze verändern, sondern auch europäische Vereinbarungen und internationale Verpflichtungen berühren. Zurückweisungen an der Grenze, Änderungen des Asylrechts und Reformen der Genfer Flüchtlingskonvention wären rechtlich und politisch besonders anspruchsvoll.
In der inneren Sicherheit fordert die Partei mehr Polizei, härtere Maßnahmen gegen organisierte Kriminalität und eine konsequentere Strafverfolgung. Zusätzlich sollen Parallelgesellschaften, islamistischer Extremismus und bestimmte Formen politischer Einflussnahme stärker bekämpft werden.
Wirtschaft, Steuern und Sozialstaat sollen nationaler und schlanker werden
Wirtschaftspolitisch verbindet das Programm Steuersenkungen mit weniger staatlicher Regulierung. Das Einkommensteuerrecht soll vereinfacht und in wenigen Stufen organisiert werden. Der Solidaritätszuschlag soll entfallen, der Grundfreibetrag auf 15.000 Euro steigen und der Kinderfreibetrag 12.000 Euro betragen.
Für Familien sieht die AfD ein Familiensplitting vor. Dabei würden die Einkommen der Familienmitglieder stärker gemeinsam berücksichtigt. Außerdem nennt das Programm eine Willkommensprämie von 20.000 Euro für Neugeborene, wenn bestimmte Voraussetzungen bei den eingezahlten Rentenbeiträgen erfüllt sind.
Unternehmen sollen von niedrigeren Steuern, weniger Bürokratie und besseren Investitionsbedingungen profitieren. Die Mehrwertsteuer für die Gastronomie soll dauerhaft auf 7 Prozent sinken. Auch die Förderung erneuerbarer Energien und verschiedene klimaabhängige Abgaben will die Partei zurückfahren oder abschaffen.
| Bereich | Zentrale Forderung | Mögliche Bedeutung |
|---|---|---|
| Steuern | Höherer Grundfreibetrag und Abschaffung des Solidaritätszuschlags | Entlastung bei Einkommensteuer und Kapitalerträgen, besonders relevant für höhere Einkommen |
| Familien | Familiensplitting und finanzielle Förderung von Eltern | Stärkere Unterstützung von Familien mit mehreren Kindern, aber höhere Kosten für den Staat |
| Sozialleistungen | Strengere Regeln beim Bürgergeld | Ausländische Staatsangehörige sollen Bürgergeld erst nach längerer Beitragszeit erhalten |
| Rente | Mehr Beitragszahler und stärkere Anerkennung von Elternschaft | Langfristige Stabilisierung, deren Finanzierung im Programm nicht vollständig geklärt ist |
Beim Bürgergeld will die AfD die Zugangsvoraussetzungen für ausländische Staatsangehörige verschärfen und den Leistungsbezug auf ein Jahr begrenzen. Ukrainische Kriegsflüchtlinge sollen wieder aus dem Bürgergeld herausgenommen und leistungsrechtlich stärker mit Asylbewerbern gleichgestellt werden.
Eine Modellrechnung des ZEW kam für ausgewählte Reformen zu dem Ergebnis, dass die steuerlichen Entlastungen des AfD-Programms vor allem höheren Einkommen zugutekommen. Für eine Familie mit zwei Kindern und niedrigem Einkommen wurde in der untersuchten Modellrechnung sogar eine jährliche Verschlechterung von 440 Euro ausgewiesen. Das Ergebnis bezieht sich allerdings nur auf berechenbare Einzelmaßnahmen und nicht auf das gesamte Programm.
Klima, Energie und Verkehr folgen einem grundsätzlichen Kurswechsel
Die AfD lehnt die gegenwärtige deutsche Klimapolitik weitgehend ab. Das Programm bestreitet nicht den Klimawandel als solchen, stellt aber den maßgeblichen Einfluss des Menschen infrage. Daraus folgt die Forderung, CO₂-Abgaben, Verbote für Verbrennungsmotoren und zentrale Elemente der Energiewende abzuschaffen.
Stattdessen setzt die Partei auf fossile Energieträger, eine Rückkehr zur Kernenergie und eine möglichst kostengünstige Stromversorgung. Windkraft- und Solaranlagen sollen nicht politisch bevorzugt ausgebaut werden, wenn sie nach Auffassung der Partei Landschaft, Versorgungssicherheit oder Wirtschaftlichkeit beeinträchtigen.
Diese Position ist für Verbraucher und Industrie kurzfristig attraktiv, wenn dadurch Energiepreise sinken. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie Deutschland seine Klimaziele, europäische Verpflichtungen und Investitionsentscheidungen der Unternehmen mit diesem Kurs vereinbaren würde.
Die AfD will außerdem aus dem Pariser Klimaabkommen austreten. Für die Bewertung dieser Forderung ist entscheidend, dass Klimaschutz nicht nur eine nationale Frage ist. Änderungen bei Energie, Verkehr und Industrie wirken direkt auf Handelsbeziehungen, EU-Recht und die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.
Europa, Euro und Außenpolitik setzen auf mehr nationale Souveränität
Die AfD kritisiert die EU als zu zentralistisch, zu bürokratisch und zu wenig demokratisch kontrolliert. Sie strebt langfristig einen „Bund europäischer Nationen“ an, in dem die Mitgliedstaaten deutlich mehr Zuständigkeiten behalten. Gemeinsame Aufgaben sollen vor allem der Binnenmarkt, der Schutz der Außengrenzen und bestimmte sicherheitspolitische Interessen sein.
Besonders weitreichend ist die Forderung, Deutschland solle das Euro-System verlassen. Das Programm sieht eine Rückkehr zu nationalen Währungen als Möglichkeit, die wirtschafts- und währungspolitische Selbstbestimmung wiederzugewinnen. Die Partei räumt selbst ein, dass ein solcher Schritt erhebliche Umstellungsbelastungen verursachen würde.
Beim digitalen Euro und bei einem zentralen Vermögensregister lehnt die AfD staatliche oder europäische Lösungen ab. Bargeld soll dauerhaft als gesetzliches Zahlungsmittel geschützt werden. Dahinter steht ein Freiheitsverständnis, das finanzielle Privatsphäre und ein „analoges Leben“ besonders stark betont.
In der Außenpolitik fordert die Partei eine stärker interessengeleitete deutsche Politik. Sie lehnt weitere EU- und NATO-Erweiterungen ab, will die Beziehungen zu Russland wieder ausbauen und die Sanktionen gegen Russland aufheben. Für die Ukraine sieht das Programm einen neutralen Staat außerhalb von NATO und EU vor.
Gleichzeitig bekennt sich die AfD bis zum Aufbau eines eigenständigen europäischen Militärbündnisses zur NATO. Sie fordert außerdem die Wiedereinführung der Wehrpflicht, eine besser ausgestattete Bundeswehr und den Ausbau deutscher Rüstungs- und Cyberabwehrfähigkeiten.
Familie, Bildung und Demokratie folgen einem konservativen Gesellschaftsbild
Die Familienpolitik stellt die Verbindung von Vater, Mutter und Kindern in den Mittelpunkt. Eltern sollen mehr Unterstützung erhalten, wenn sie in der frühen Kindheit eines Kindes zu Hause bleiben oder nur in Teilzeit arbeiten. Auch Alleinerziehende, Patchworkfamilien sowie Pflege- und Adoptivfamilien werden im Programm ausdrücklich erwähnt.
Die Partei verbindet Familienförderung mit dem Ziel einer höheren Geburtenrate. Zugleich richtet sie sich scharf gegen Frühsexualisierung, sogenannte Genderpolitik und eine aus ihrer Sicht zu starke staatliche Einflussnahme auf Kinder und Eltern.
In der Bildungspolitik will die AfD das mehrgliedrige Schulsystem erhalten, Förderschulen stärken und berufliche Bildung aufwerten. Sie spricht sich für mehr Disziplin und Leistungsorientierung aus und fordert, politische Einflussnahme an Schulen zurückzudrängen.
Demokratiepolitisch fordert das Programm Volksentscheide auf Bundesebene nach Schweizer Vorbild. Bürgerinnen und Bürger sollen Gesetzesinitiativen einbringen und über wichtige Gesetze, Grundgesetzänderungen sowie internationale Verträge abstimmen können.
Diese Forderung klingt zunächst nach mehr direkter Mitbestimmung. In der Praxis müsste jedoch genau geregelt werden, welche Themen zulässig sind, wie Minderheiten geschützt werden und wie komplexe Sachfragen vor einer Abstimmung verständlich erklärt werden. Mehr direkte Demokratie ist nicht automatisch mehr deliberative Demokratie, wenn öffentliche Debatten stark von Desinformation oder emotionalen Kampagnen geprägt werden.
Was man bei der Bewertung des Programms nicht übersehen sollte
Das AfD-Programm ist kein einzelnes Maßnahmenpaket, sondern ein umfassender politischer Richtungswechsel. Die wichtigsten Veränderungen beträfen Migration, das Verhältnis zur EU, Klima- und Energiepolitik sowie das gesellschaftliche Leitbild.
Bei der Lektüre lohnt es sich, drei Ebenen zu trennen. Erstens geht es darum, was die Partei konkret fordert. Zweitens muss geprüft werden, ob eine Forderung mit deutschem Verfassungsrecht, EU-Recht oder internationalen Verträgen vereinbar ist. Drittens sollte man fragen, wie die Maßnahmen finanziert und praktisch umgesetzt werden sollen.
Meine Kurzbewertung fällt deshalb differenziert aus: Das Programm ist besonders klar bei Grenzschutz, nationaler Souveränität, Steuerentlastungen und der Ablehnung der aktuellen Klimapolitik. Weniger eindeutig sind die finanziellen Folgen, die Übergangsregeln eines Euro-Ausstiegs und die rechtliche Umsetzung der migrationspolitischen Forderungen.
Wer das Wahlprogramm sachlich beurteilen möchte, sollte nicht nur einzelne Reizwörter herausgreifen. Entscheidend ist das Gesamtbild: Die AfD verbindet wirtschaftliche Entlastungen und mehr direkte Demokratie mit einer deutlich restriktiveren Migrationspolitik, einem konservativen Familienverständnis und einer weitgehenden Neuordnung des deutschen Verhältnisses zu Europa.