Die wichtigsten Zahlen zur Kirchenlandschaft in Deutschland
- Als grobe Größenordnung liegen evangelische und katholische Kirchengebäude zusammen bei knapp 45.000.
- Je nach Zählweise kursieren auch Werte um 42.000 bis 44.000, weil nicht jede Statistik dieselben Gebäudearten erfasst.
- Die evangelische Kirche meldet 20.361 Kirchen und Kapellen, dazu 3.143 Gemeindezentren mit integriertem Kirchenraum.
- Die katholische Kirche beziffert ihren Bestand auf rund 24.500 Sakralgebäude.
- Ein großer Teil dieser Gebäude steht unter Denkmalschutz, was Erhalt und Umnutzung besonders anspruchsvoll macht.
Die kurze Antwort liegt knapp unter 45.000
Die belastbarste Kurzantwort lautet: In Deutschland gibt es bei den beiden großen Kirchen zusammen knapp 45.000 Kirchengebäude. Rechnet man die evangelischen Kirchen und Kapellen mit den katholischen Sakralgebäuden zusammen, landet man bei 44.861 Gebäuden. Eine gemeinsame Einordnung von evangelischer Kirche und katholischer Bischofskonferenz spricht gleichzeitig von rund 44.000 katholischen und evangelischen Kirchen und Kapellen, was zeigt, dass die genaue Zahl von der jeweiligen Abgrenzung abhängt.
Mir ist an dieser Stelle wichtig, die Frage nicht künstlich zu vereinfachen: Wer nur nach „der einen Zahl“ sucht, übersieht schnell, dass hier verschiedene Statistiken unterschiedliche Dinge meinen. Deshalb ist die präzisere Frage oft nicht nur „wie viele?“, sondern auch „welche Gebäude werden mitgezählt und zu welchem Zweck?“. Genau dort liegt der Kern des Themas, und dorthin führt die Zählweise im nächsten Schritt.
Warum es keine einzige offizielle Gesamtzahl gibt
Ich halte es für sinnvoll, bei Kirchen nicht automatisch von einer einheitlichen Registerzahl auszugehen. Es gibt in Deutschland kein zentrales Bundesregister, das alle Sakralbauten mit derselben Logik erfasst. Stattdessen arbeiten die Kirchen mit eigenen Statistiken, und diese unterscheiden sich je nachdem, ob es um Eigentum, liturgische Nutzung, Denkmalschutz oder bauliche Nutzungskonzepte geht.
- Gebäudeart: Eine Kirche ist nicht dasselbe wie eine Kapelle oder ein Gemeindezentrum mit integriertem Kirchraum.
- Eigentum: Ein Gebäude kann kirchlich gehören, aber längst nicht mehr dauerhaft liturgisch genutzt werden.
- Nutzung: Manche Räume dienen weiter dem Gottesdienst, andere nur noch punktuell oder gar nicht mehr.
- Abgrenzung: Einige Erhebungen zählen nur Sakralgebäude, andere auch ergänzende Funktionsbauten oder gemeinschaftlich genutzte Räume.
Hinzu kommt ein Begriff, der oft missverstanden wird: Profanierung bedeutet die Entwidmung eines Sakralraums, also das offizielle Ende der dauerhaften liturgischen Nutzung. Ein profaniertes Gebäude ist damit nicht automatisch „wertlos“, aber es fällt aus der klassischen Kirchenstatistik heraus oder erscheint dort nur noch als ehemaliges Kirchengebäude. Genau aus diesen Unterschieden ergeben sich die Zahlen, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken.
So zählen die großen Kirchen ihre Gebäude
| Bereich | Zahl | Was genau gemeint ist |
|---|---|---|
| Evangelische Kirche | 20.361 | Kirchen und Kapellen |
| Evangelische Kirche zusätzlich | 3.143 | Gemeindezentren mit integriertem Kirchenraum |
| Katholische Kirche | rund 24.500 | Sakralgebäude |
| Gemeinsame Einordnung beider Kirchen | rund 42.000 | Aktueller Gebäudebestand im Eigentum vornehmlich örtlicher Kirchengemeinden |
| Reine Addition der Kernbestände | 44.861 | Evangelische Kirchen und Kapellen plus katholische Sakralgebäude |

Warum so viele Kirchen als Kulturerbe behandelt werden
Ein Großteil des Bestands ist nicht nur religiös, sondern auch kulturhistorisch relevant. Bei der evangelischen Kirche sind 16.850 von 20.361 Kirchen und Kapellen als denkmalgeschützt ausgewiesen, bei den katholischen Gotteshäusern sind es rund 22.800 von etwa 24.000. Denkmalschutz bedeutet dabei den gesetzlichen Schutz historisch oder künstlerisch bedeutsamer Bauten, und bei Kirchen ist das längst kein Randthema mehr, sondern der Regelfall.
Das erklärt, warum die Debatte um Kirchengebäude oft über den eigentlichen Gottesdienst hinausgeht. Diese Bauten prägen Ortsbilder, markieren Dorfkerne, strukturieren Stadtviertel und tragen Erinnerungen über Generationen hinweg. Aus säkularer Sicht ist das besonders interessant, weil Kirchen dadurch nicht nur Glaubensräume sind, sondern auch öffentliche Kulturträger. Wer sie erhalten will, muss also über Geschichte, Architektur, Geld und Nutzung gleichzeitig sprechen. Genau an diesem Punkt beginnt die Frage, was mit Gebäuden passiert, die nicht mehr dauerhaft gebraucht werden.
Was mit nicht mehr genutzten Kirchen passiert
Wenn ein Kirchenraum seinen liturgischen Zweck verliert, folgt meist keine abrupte Lösung, sondern ein langer Prozess. Bei der katholischen Kirche wurde die liturgische Nutzung seit Anfang des 20. Jahrhunderts bei 667 Kirchen beendet; 248 davon wurden verkauft, 278 abgerissen. Das sind keine kleinen Randzahlen, sondern ein klarer Hinweis darauf, dass der Gebäudebestand unter realem Druck steht.
- Verkauf: Das Gebäude geht an private oder institutionelle Käufer über.
- Umnutzung: Aus der Kirche werden etwa Kulturraum, Atelier, Büro, Wohnung oder sozialer Treffpunkt.
- Mitnutzung: Ein Raum bleibt kirchlich, wird aber mit anderen Gruppen oder Funktionen geteilt.
- Abriss: Das ist meist die letzte Option, wenn Statik, Lage oder Kosten keine andere Lösung zulassen.
Bei der evangelischen Kirche zeigt sich derselbe Trend anders, aber ebenfalls deutlich: Seit 1990 wurden einerseits Kirchengebäude aufgegeben, andererseits an anderen Orten neue Kirchen und Gemeindezentren geschaffen, sodass sich der Grundbestand kaum verändert hat. Besonders in den östlichen Landeskirchen ist der Sanierungsdruck hoch, weil dort ein hoher Anteil denkmalgeschützter Gebäude erhalten werden muss. Die praktische Folge ist klar: Nicht jede Kirche bleibt Kirche, und nicht jedes Gebäude lässt sich ohne Weiteres weiterführen.
Was die Entwicklung über Religion und Gesellschaft verrät
Die Kirchengebäude stehen nicht isoliert im Raum, sie folgen der Entwicklung ihrer Mitglieder. Ende 2025 gehörten der evangelischen Kirche 17,4 Millionen Menschen an, der katholischen Kirche 19,2 Millionen. Diese Zahlen sind für den Gebäudebestand relevant, weil weniger Mitglieder langfristig weniger Einnahmen, kleinere Gemeinden und stärkeren Druck auf Unterhalt, Sanierung und Betrieb bedeuten.
Für mich ist das auch eine gesellschaftliche Frage jenseits der Religion. Kirchen sind in Deutschland eben nicht nur private Glaubensorte, sondern auch Teil von Denkmalpflege, Stadtentwicklung und öffentlicher Infrastruktur. Wenn Gemeinden kleiner werden, muss nicht automatisch jedes Gebäude verschwinden. Aber die alte Selbstverständlichkeit, dass Kirchen dauerhaft aus eigener Kraft getragen werden, trägt immer seltener. Daraus entstehen neue Modelle, etwa gemeinsame Nutzung, Kooperation mit Kommunen oder eine stärkere kulturelle Öffnung der Räume. Genau deshalb ist die Zahl der Kirchen nur der Anfang, nicht das Ende der eigentlichen Debatte.
Worauf ich bei der Zahl am meisten achte
Die sauberste Kurzantwort lautet: knapp 45.000 Kirchengebäude bei den beiden großen Kirchen, je nach Zählweise auch rund 42.000 bis 44.000 als aktueller Bestandswert. Wer genauer hinschaut, merkt aber schnell, dass die eigentliche Frage nicht die reine Menge ist, sondern die Zukunft dieser Gebäude.
Entscheidend sind drei Dinge: Welche Gebäude werden aktiv genutzt? Welche stehen unter Denkmalschutz? Und welche brauchen eine neue, tragfähige Funktion? Genau an dieser Schnittstelle wird aus einer Statistik eine Kulturfrage, und aus einer Kulturfrage eine sehr praktische Entscheidung über Erhalt, Umbau oder Abschied. Wer Kirchen in Deutschland verstehen will, sollte deshalb Zahl, Nutzung und Eigentumsverhältnisse immer zusammen lesen.